2021 | Archiv 2020

Ende Oktober:
Der Spätherbst ist im Rebberg eingekehrt. Die Blätter sind goldgelb und die Geräte und Maschinen weggeräumt. Wir nehmen Abschied von einer intensiven Rebsaison mit vielen Auf und Abs. Ein wenig Wehmut herrscht beim Besuch in den Reben. Bald kommen aber die Schafe und wir freuen uns an ihren Sprüngen und dem Geläut der Glöggli.

Wir probieren etwas Neues aus: Um die Jungreben des Solaris packen wir Schafwolle - sog . "Arschwolle", die zu verschmutzt ist für die Wollverarbeitung. Hier soll sie die Jungrebe vor Kälte und Frass schützen, den Boden feucht halten und erst noch düngen.

Herbst 2021
Schafwolle
Schön warm für den Winter!


14. Oktober:
Als letzte Traubensorte lasen wir am 14. Oktober unseren Cal 1-20. Zusammen mit dem Divico unseres Rebnachbars werden wir daraus einen süffigen Rosato keltern.
Von den ursprünglich 320 Stöcken der CAL 1-20 Traube liessen wir nur noch wenige stehen. Die Pflanze ist extrem robust gegen Mehltau, die Reife war uns aber zu spät.

Cal 2
Die Traubensorte Cal 1-20: Extrem robust, aber spätreifend



2. Oktober:
Bei prächtigem Herbstwetter ernteten wir am Samstag den Cabernet Jura. Die Traubenqualität war 1A, und dies trotz des schwierigen, von schlechtem Wetter und Krankheiten beeinflussten Traubenjahrs. Noch am gleichen Tag verarbeiteten wir die Trauben und leiteten die Gärung für den Rotwein und für den Rosato ein. Mit Menge und Qualität sind wir zufrieden.

Erte Cabernet 2021
Viel Arbeit, aber auch viel Spass bei der Ernte!


25. September:
Jetzt haben wir den Cabernet Jura zusätzlich zu den Netzen mit Elektrohag geschützt. In einer Nacht hatte uns eine Dachsfamilie mehr als 50 Stöcke leergefressen. 4 Dachse auf einmal hat uns ein Bild aus der Fotofalle geliefert! Wir lieben die Wildtiere, aber so ein Verlust ärgert. Sonst sind die Trauben gesund. Aber sie müssen noch ein paar Tage reifen bei hoffentlich schönem Herbstwetter. Wegen des Befalls der Blätter mit Falschem Mehltau können wir allerdings auch nicht allzu lange warten. So oder so wird die Ernte viel später als in den letzten 5 Jahren stattfinden…

Dachsfrass Cabernet
Hier zogen die Dachse vorbei….


23. September: Ernte Solaris
Genau einen Monat später als im Vorjahr ernteten wir am 23. September bei prächtigem Wetter den Solaris. Die Blätter des Solaris waren bis zum Erntetag gesund und verschont von Pilzkrankheiten. Nur Stiellähme und Traubenwelke trübten das Bild. Sie bescherten den Traubenleserinnen und -lesern viel Aufwand, um das Traubengut zu söndern. Die Ernte war entsprechend nur halb so gross wie im Vorjahr. Stiellähme und Traubenwelke sind eine Folge des Frostes im April. Trotz des kleinen Ertrags sind wir zufrieden. 92 Oechsle und eine gute Säure sind eine gute Voraussetzung für einen tollen Wein.

Solarisernte 23.9.2021
Solche Trauben lassen das Herz höher schlagen!


2. September
Beim Cabernet Jura ist der Farbumschlag abgeschlossen. Alle Trauben zeigen sich in dunklem Blau. Ein toller Anblick. Alle Trauben sind gesund. Das ist nicht selbstverständlich unter den schwierigen klimatischen Verhältnissen. Allerdings hat der Falsche Mehltau viele Blätter befallen. Weil unser oberstes Ziel die optimale Traubenqualität ist und weil wir einen gewissen Blattverlust akzeptieren müssen, haben wir fast die Hälfte der Trauben abgeschnitten. In anderen Worten: Weniger Ertrag, aber dafür hohe Traubenqualität. Unsere Strategie wird durch das tolle Wetter in den ersten Septembertagen unterstützt. Der Mehltau hat sich verabschiedet und neue Blätter wachsen nach. Weiterhin in Prachtsform ist unsere weisse Traubensorte Solaris. Sie ist und bleibt 100% resistent gegen Falschen Mehltau. In rund zwei Wochen werden wir ernten. Unsere Hauptarbeiten gelten nun dem Schutz der Pflanzen vor grösseren Tieren: Dachs, Fuchs & Star sind scharf auf unsere Trauben. Wir schützen sie mit Seitennetzen und Elektrohag.

Solaris Netz
Ohne Seitennetz wären die Solaristrauben im Nu von Dachs, Fuchs & Star gefressen.

Solaris Netz2
Die Blätter des Solaris sind frei von Pilzbefall



15. August
Als einzige Rebsorte bleibt der Solaris frei von Falschem Mehltau. Die Resistenz dieser Rebenzüchtung des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg im Breisgau ist sensationell. Auch der Ertrag ist gut. Unser einziges Problem: Fuchs & Dachs sind scharf auf die Trauben, die jetzt Zucker bilden. Wir mussten daher einen Elektro-Schafzaun um die Reihen ziehen. Ohne diesen Schutz bedient sich der Dachs, da nützt auch ein Netz nichts (siehe Bild). Weniger positiv siehts beim Cabernet Jura aus. Gebietsweise ist der Befall mit Falschem Mehltau stark. Wir sind gespannt, ob und wieviel neue Blätter sich bilden. Am 13. August machten wir uns unsere letzte Spritzung mit Kupfer, Schwefel und Alginure. Der Farbumschlag ist in vollem Gange.

Dachs Frsschaeden
Kaum werden die Solaristrauben süss, ist der Dachs zur Stelle. Eben: Frechdachs.

Farbumschlag
Start Farbumschlag beim Cabernet Jura



5. August
So perfekt wie am 22. Juli sieht der Cabernet Jura (siehe Bild unten vom 22.7.) nicht mehr aus. Der Falsche Mehltau hat überall Spuren hinterlassen. Trotz des nasskalten Wetters bleiben wir optimistisch. Die Trauben sind nicht befallen und der Blattbefall hält sich in Grenzen, und dies ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Spritzmitteln. Sorgen macht uns, dass es weiter nass ist und dass der Falsche Mehltau auch die neuen Blätter befällt.

Eidechse 2 Juli 21
Besuch im Rebberg - im Hintergrund Solaristrauben, die den Falschen Mehltau bisher erfolgreich abgewehrt haben


26. Juli
So schnell kanns gehen. Ein Hagelzug hat gestern unseren Rebberg am Rand getroffen. Die Hagelkörner müssen fast waagrecht aus Westen auf die Trauben geprallt sein. Wir denken allerdings, dass wir im Vergleich zu anderen glimpflich davongekommen sind. Schätzungsweise 5 % der Beeren sind beschädigt. Paradox ist, dass es bei uns am Dorfplatz, der rund 500 Meter entfernt ist, nicht gehagelt hat. An einigen Stellen macht sich jetzt auch der Falsche Mehltau bemerkbar. An Stellen , an denen wir unvollständig gespritzt haben, vermehrt er sich fast explosionsartig. Die richtigen Spritzintervalle einzuhalten, ist bei diesem Wetter extrem schwierig. Ausserdem wirken unsere biologischen Pflanzenschutzmittel nicht kurativ. Schwierige Zeiten Im Rebbau, besondern für uns und all jene, die auf chemische Spritzmittel verzichten! Unsere Nervosität steigt.


23. Juli
Feuchtigkeit und Nässe bleiben ein Dauerthema und landauf landab ist der Infektionsdruck von Falschem und Echtem Mehltau extrem hoch. Am Sonntag, 20. Juli besuchten wir Rebberge in Frick. Überall das gleiche Bild: Infizierte Blätter und oft sogar von Falschem Mehltau befallene Trauben. Da wird es nicht mehr viel zum Ernten geben. Im Vergleich steht unser Rebberg sehr gut da. Der Falsche Mehltau zeigt sich nur an wenigen Stellen und die Trauben sind nicht befallen. Dahinter steckt viel Arbeit. Auslauben, freistellen, wipfeln und bereits ein viertes Mal spritzen. Es hat sich gelohnt. Stolz sind wir, dass wir den Mehltau ohne Einsatz von chemische-synthetischen Mitteln im Schach halten konnten. Aber wir freuen uns nicht zu früh - schon in ein paar Tagen sind neue Wetterkapriolen und damit neue Infektionsbedingungen vorausgesagt.

22. Juli 2021
Trotz hohem Mehltaudruck bleibt unser Cabernet Jura gesund (Stand 22. Juli)


15. Juli
Regen, Nässe und Überschwemmungen - diese Themen dominieren bis Mitte Juli. Auch im Rebberg ist die Situation schwierig. Bei der permanenten Nässe ist die Infektionsgefahr besonders für den Falschen Mehltau extrem hoch. Auch unsere pilzwiderstandsfähigen Sorten Solaris und Cabernet Jura sind bedroht. Ausserdem verzichten wir auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden. Das macht den Pflanzenschutz noch anspruchsvoller. Anfangs Juli laubten wir daher die Reben in der Traubenzone stark aus und stellten die Trauben frei. Dies fördert die Durchlüftung, vergrössert aber auch das Risiko für Hagelschäden oder Sonnenbrand. Ausserplanmässig machten wir in den ersten Julitagen eine dritte Spritzung mit Schwefel, Kupfer und Alginure. Ganz liess sich der Falsche Mehltau nicht vermeiden, aber grössere Schäden stellen wir bis heute (15. Juli) keine fest. An vielen Pflanzen beobachten wir die Symptome abgeheilter Infektionen mit dem Falschen Mehltau. Der Cabernet scheint sich erfolgreich gegen den Pilz gewehrt zu haben. Absolut keine Pilzinfektionen weist bis heute der Solaris aus. Die höchste Gefahr für Neuinfektionen kommt allerdings erst in diesen Tagen.


Juli feucht
Die Trauben des Cabernet Jura erreichen Erbsengrösse


30. Juni
Der Juni war nass und schwül, das Rebenwachstum daher fast rekordartig. Der im April und Mai verursachte Wachstumsrückstand ist fast aufgeholt. Die Reben blühten nur wenig später als in den Vorjahren. Sämtliche Arbeiten im Rebberg mussten fast gleichzeitig erledigt werden: Unten Stammaustriebe entfernen, oben wipfeln. Dazwischen Geiztriebe entfernen, entlauben und vor allem die Reben ständig neu aufbinden. Dazu kamen mähen, mulchen - never ending. Eine intensive Zeit. Vor und nach der Blüte machten wir zwei Spritzungen mit Schwefel, wenig Kupfer und Alginure. Der Krankheitsdruck ist bei diesem Wetter gross, doch wir vertrauen auf die Widerstandskraft des Cabernet Jura und des Solaris. Bis heute blieben wir vom Hagel verschont - Holz alänge! Beim Cabernet Jura verlief die Blüte optimal und der Fruchtbehang ist gut. Anders beim Solaris. Der Aprilfrost hat Spuren hinterlassen.


Ende Juni 21
Monsunartiges Wetter - die Reben wachsen üppig


13. Juni
Ein schwarzer Tag für die Umwelt in der Schweiz. Das Volk hat das CO2-Gesetz, die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative versenkt. Wir trösten uns im Rebberg - das Wetter ist hochsommerlich und das Wachstum der Reben stark. Ganz werden sich die Frostschäden nicht kompensieren lassen. Wir rechnen um einen mindestens 30% geringeren Ertrag als im Vorjahr. Aber wenn das Wetter weiter mitspielt, wird die Qualität top sein. Bis heute haben wir erfolgreich die erste Spritzung hinausgezögert. Aber jetzt ist höchste Zeit. Wir werden in diesen Tagen die Reben mit einer Mischung von Schwefel, wenig Kupfer und einem Algenpräparat vor Echtem und Falschen Mehltau schützen.


Heckenrosen
Überall im Rebberg blühen die Heckenrosen

1. Juni
Endlich - in den letzten Maitagen kommen Sonne und Wärme zurück. Die Reben machen einen Sprung, neues Wachstum setzt ein. In den Wochen zuvor litten die Reben unter dem schlechten Wetter. Kälte, Nässe und sogar Frost und Hagel setzten ihnen stark zu. Nun sind wir optimistisch und hoffen, dass ein toller Juni die Defizite des kalten Frühling ausgleicht.


31. Mai 21
31. Mai (2)
Cabernet Jura am 31. Mai - Frost und Hagelschäden sind deutlich sichtbar

Mitte Mai
Wiesensalbei und Thymian blühen im Rebberg. Aber das Wachstum der Reben stockt, und viele Jungtriebe sind beschädigt. Hauptgrund sind die immer noch sehr kalten Nächte und mehrheitlich kühlen Tage im Mai. Gegenüber den Vorjahren hinkt die Rebvegetation um 3 Wochen hinten drein. Wir können uns nicht erinnern, je so kalte April- und Maiwochen erlebt zu haben.


Ende April
Nun treiben und stossen die Reben stark. Die meisten Knospen sind aufgebrochen. Schäden aam Cabernet Jura sind nicht direkt festzustellen. Doch viele der jungen Triebe der neu gesetzten, aber auch der alten Solarispflanzen sind erfroren.


Knospenaufbruch
Junger Doppeltrieb einer Solaris-Rebe


Anfangs April
Beissende Kälte fällt in den ersten Apriltagen ins Land. Die Knospen der meisten Cabernet Jura und des Solaris sind noch geschützt im Wollstadium. Aber der Solaris hat schon ausgetrieben. Wir packen deshalb die 200 neu gesetzten Stöcke in Vlies ein. So soll der Frost weniger Schaden anrichten.

Vlies aufstellen HP

März
Der März ist überdurchschnittlich warm. In den letzten Märztagen steigen die Temperaturen bis auf 25 Grad. Zu warm: Die ersten Kirschbäume blühen und bei den neu gesetzten Solaris brechen die Knospen auf. Zu früh! Denn der Frost kommt sicher noch!.

nugerolo_rebberg_fruehling


Februar
Soeben haben wir den Rebschnitt beendet. Die nächste Aufgabe: Aufbinden. Das Schnittgut schneiden wir klein und lassen es im Rebberg liegen. Das Schnittgut verrottet nach ca. 2. Jahren und trägt zur Humusbildung bei. Eine Ansteckungsgefahr durch Krankheiten auf dem am Boden liegenden Holz fürchten wir nicht.

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Januar
Die Reben ruhen. Als Experiment lassen wir die Schafe weiden im Rebberg. Wir behalten sie gut m Auge. Denn sobald ihnen das Gras nicht mehr passt und es ihnen langweilig wird, beginnen sie an den Reben zu knabbern.

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