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19. Juni:
34 Grad! Doch die Reben scheinen unter der Hitze nicht zu leiden. Nach wie vor ist der Arbeitsdruck im Rebberg hoch. Der Cabernet Jura ist stark gewachsen und ragt bereits einen halben Meter über den obersten Draht. Demnächst werden wir oben wipfeln. Hunderte von Schachbrettfalter flattern im Rebberg. Seit einigen Tagen gesellt sich auch der Weisse Waldportier dazu. Ein wunderbarer Gross-Schmetterling! Er existiert gemäss Tagfalter-Atlas nur noch an wenigen Orten im Jura. Bei uns im Rebberg findet er in den umliegenden Magerwiesen auf der aufrechten Trespe (Bromus erectus) und in den Rebgassen ideale Lebensbedingungen. Waldportiers im Rebberg - einen besseren Beweis für die naturnahe Wirtschaftsweise lässt sich kaum finden!

Weisser Waldportier
Der Weisse Waldportier

Anfangs Juni:
Es summt und brummt im Rebberg. Das tierische und pflanzliche Leben gedeiht. Die Reben wachsen stark und die Arbeit im Rebberg ist intensiv. Triebe erlesen, in die Drähte einschlaufen, aufbinden, entgeizen, Gras mähen - und wenn die vierzigste Reihe fertig ist, beginnt alles wieder von vorne. Aber wir beklagen uns nicht, es ist eine schöne Zeit. Kurz von den angesagten Gewittern haben wir auch die erste Spritzung gemacht, um die Reben vor Falschem und Echtem Mehltau zu schützen. Wir verwenden keine chemisch-synthetischen Spritzmittel, sondern nur Schwefel, wenig Kupfer, Alginure und Fyytosafe. Letzteres ist ein rein biologisches Produkt und soll die Abwehrkräfte der Pflanze stärken.

Heckenrosen
Rund um den Rebberg blühen die Heckenrosen

Mitte Mai:
Mitte Mai herrschen fast sommerliche Temperaturen und die Reben wachsen stark. Aber die Spuren des schwierigen Frühlings sind unübersehbar: Der Megafrost von Anfangs April (vermutlich sanken die Temperaturen sogar unter minus 6 Grad!) haben die Knospen stärker beschädigt als befürchtet. Die Austriebe sind verkorkst und die ersten Blättchen erfroren. Am 4. Mai prasselte ein Hagelsturm genau über Nuglar nieder und schädigte das junge Grün. Und als ob nicht schon genug Schaden angerichtet wäre, taten sich in den letzten Tagen nachts eine Schar Rehe im Rebberg gütlich und frassen hunderte von Jungtrieben ab. Es braucht starke Nerven in diesen Tagen. Freude macht hingegen der junge Solaris. Er wächst kerngesund und die Rehe scheinen ihn nicht zu mögen.

rebberg
Der Wiesensalbei blüht wunderschön in unserem Rebberg - aber genau hier durch plant der Gemeinderat den Bau einer Abwasserleitung. Wir sind entsetzt!

Mitte April:
Über die sonnigen und warmen Ostertage explodiert die Vegetation geradezu. Die späten Kirschbäume blühen und die Rebknospen schwellen. Bald sind die ersten Blättli sichtbar.

Blust 2022
Um die Artenvielfalt zu erhalten und Nützlinge zu schonen, mähen wir nur jede zweite Rebzeile


Anfangs April:
Nach den hohen Temperaturen Ende März ist der Winter nochmals eingebrochen. Nicht der viele Schnee, sondern der extreme Frost mit Temperaturen von minus 6 Grad in der Nacht vom 3. auf den 4. April machte den Obstanlagen und den Reben zu schaffen. Die alten Rebstöcke sind vermutlich nicht geschädigt, unklar ist es hingegen bei den jungen Solaris.

Wintereinbruch april
Nach dem Schnee kam die Frostnacht


Frühlingsanfang:
Punktgenau auf Frühlingsanfang blüht und spriesst es im Rebberg. Gundelrebe, Ehrenpreis, Taubnessel und Löwenzahn zaubern Farbe in die Rebzeilen. Wir sind daran, die Tragruten auf den Bindedraht zu binden. Noch sind die Reben in Winterruhe.

Traubenhyazinten 2022
Die ersten Traubenhyazinten blühen



Anfangs März:
Immer noch sind die Nächte sehr kalt. Wir warten noch mit dem Aufbinden der Reben. Die Triebe sind zu kalt zum Biegen.
Ende Februar beendeten wir den Grobschnitt. Wir liessen eine Frostrute stehen. Die Spuren des vergangenen Jahres, Echter Mehltau und Schwarzfleckenkrankheit, sind auf den Ruten deutlich sichtbar. Der Pflanzenschutz wird im 2022 ganz besonders wichtig sein.

rebenschneiden christine
Auf dem Rebholz sind die Spuren des schwierigen vergangenen Jahres sichtbar

1. Januar:
Margritli und Ehrenpreis blühen und wir schneiden die Reben im Hemd! Einer der wärmsten 31. Dezember schliesst das Rebenjahr mit all seinen Kapriolen. Ein Prosit aufs neue Jahr 2022!

Margritli
Rebenschneiden Hanspi
Reben schneiden am Silvester!